Zertifikate > Familien- Eltern- oder Erziehungsberatung nach § 107 Abs. 3 Z 1 AußStrG


Familien- Eltern- oder Erziehungsberatung nach § 107 Abs. 3 Z 1 AußStrG
Liste der für Familien- Eltern- oder Erziehungsberatung nach 107 Abs. 3 Z 1 AußStrG anerkannten Personen und Einrichtungen


Beschreibung des Zertifikats

"[...] Nach einer Trennung ist es oft nicht einfach, mit dem ehemaligen Partner die Folgen der Trennung für das gemeinsame Kind bzw. gemeinsame Kinder zu klären. Falls es den Eltern nicht gelingt, Regelungen zu treffen und einzuhalten, die im besten Interesse des Kindes sind, kann das Gericht eine Familien-, Eltern – oder Erziehungsberatung nach § 107 Abs. 3 Z. 1 AußStrG[1] anordnen. Sie unterstützt Eltern dabei, den Blick auf die Bedürfnisse und Nöte ihrer Kinder zu richten.

Eine Familien-, Eltern- oder Erziehungsberatung nach § 107 Abs. 3 Z 1 AußStrG kann angeordnet werden
  •     bei nicht funktionierenden Obsorge- und Kontaktrechtsregelungen
  •     bei Uneinigkeit der Eltern über die Gestaltung der Elternschaft
  •     bei gravierenden Problemen in der elterlichen Kommunikation und mangelnder Kooperation
  •     bei Negieren kindlicher Entwicklungsbedürfnisse,
  •     im Falle hocheskalierter Konflikte zwischen den Eltern (Hochstrittigkeit)
  •     bei der Anordnung eines begleiteten Kontakts
  •     bei länderübergreifenden Scheidungs- oder Trennungsprozessen
  •     wenn Anlass zur Sorge im Hinblick auf die Erziehungsfähigkeit der Eltern bzw. eines Elternteils besteht
  •     im Zusammenhang mit der Entziehung der Obsorge bzw. nach Intervention des Kinder- und Jugendhilfeträgers.
Die Erziehungsberater/innen sind Expert/innen in pädagogischen und kinderpsychologischen Angelegenheiten. Sie richten die Aufmerksamkeit der Eltern gezielt auf das gemeinsame Interesse, nämlich das Wohlergehen des Kindes.

Wichtig:

– Das Gericht legt fest, in welchem Stundenausmaß die Beratung stattfinden soll. Beide Eltern nehmen teil, um gemeinsame Lösungen erarbeiten zu können.

– Das Bundesministerium für Familie und Jugend bietet auf www.trennungundscheidung.at eine Liste der anerkannten Familien-, Eltern- oder Erziehungsberatung. Diese Liste ist eine Orientierungshilfe bei der Suche nach einem/r geeigneten Berater/in. Den Richter/innen bleibt es unbenommen, Erziehungsberatungen im Sinn des § 107 Abs. 3 Z. 1 AußStrG durch andere Berater/innen als geeignet anzuerkennen.

– Die Eltern haben die Kosten der gerichtlich angeordneten Erziehungsberatung selbst zu tragen. Als angemessener Richtwert gilt laut bestehenden Qualitätsstandards ein Honorar zwischen 70 – 120 Euro (exkl. USt.) pro Stunde."

Quelle: www.trennungundscheidung.at/familien-eltern-oder-erziehungsberatung/



Qualitätsstandards zur Familien-, Eltern- oder Erziehungsberatung nach § 107 Abs. 3 Z 1 AußStrG

[...] 5. Ausbildung und Qualifikationen


 In den folgenden Punkten wird demgemäß festgelegt, welche Ausbildung, Qualifikationen, Kompetenzen und Erfahrungen für die Durchführung von verordneter Familien-, Eltern- oder Erziehungsberatung nach § 107 Abs. 3 Z 1 AußStrG vorausgesetzt werden:

5.1 Grundberufe

• Abgeschlossenes Studium der Psychologie, Erziehungs- oder Bildungswissenschaft (Masterabschluss) oder vergleichbare und gleichwertige Studien oder
• Abschluss einer Fachhochschule für Soziale Arbeit / Akademie
für Sozialarbeit oder
• Abgeschlossene Psychotherapieausbildung (laut PsychotherapeutInnenliste des BMFG)

Grundsätzlich sollte die Ausbildung in den notwendigen Grundberufen jenen Anforderungen gleichkommen, die der fachlichen Grundqualifizierung für die Tätigkeit bei der Familien- und Jugendgerichtshilfe entsprechen.

5.2 Zusatzqualifikation

Eine nachgewiesene spezifische Ausbildung und/oder Kompetenzen in der Familien-, Eltern- oder Erziehungsberatung, die für die Beratung hochstrittiger Eltern und Kinder in Trennungs-/ Scheidungssituationen und komplexen Pflegschaftsverfahren qualifizieren.

5.3 Kompetenzen und Fachkenntnisse

• Nachgewiesene pädagogische und entwicklungspsychologische Kenntnisse und Kompetenzen

Erziehungsberater/innen haben profunde Fachkenntnisse zu pädagogischen und entwicklungspsychologischen Aspekten von kindlicher Entwicklung vorzuweisen. Diese Wissensbestände umfassen die Gesamtheit der kindlichen Entwicklung von den ersten Lebensjahren bis zur Adoleszenz.

Darüber hinaus haben Familien-, Eltern- bzw. Erziehungsberater/ innen über Fachwissen darüber zu verfügen, welche Auswirkungen Trennungserfahrungen im Kontext spezifischer Entwicklungsphasen haben können und welche Möglichkeiten der Verarbeitung Kindern aufgrund ihres Entwicklungsalters zur Verfügung stehen, und Wissen über Möglichkeiten zur Prävention von Entwicklungsrisiken.

• Kompetenzen in der Gesprächsführung mit Kindern

• Kenntnis der aktuellen Rechtslage im Familienrecht (einschließlich der Kinderrechte)

Juristische Vorgangsweisen folgen anderen Richtlinien als Arbeitsabläufe, die primär in psychosozialen Beratungsprozessen angesiedelt sind. Familien-, Eltern- bzw. Erziehungsberatung nach § 107 Abs. 3 Z 1 AußStrG erfolgt am Schnittpunkt beider Bereiche. Der Berater, die Beraterin hat über Kenntnisse im Familienrecht (Obsorge, Kontaktrecht, Kinderrechte) und über den Ablauf von pflegschaftsgerichtlichen Verfahren zu verfügen.

5.4 Berufserfahrung

• Kontinuierliche Praxis in der Familien-, Eltern- oder Erziehungsberatung von Eltern im Kontext von Trennung und Scheidung über den Zeitraum von fünf Jahren, und

• kontinuierliche praktische Erfahrung in der Arbeit mit von Trennung / Scheidung ihrer Eltern betroffenen Kindern über den Zeitraum von fünf Jahren.

Kinder und Jugendliche denken, erleben und handeln anders als Erwachsene, deswegen sind einschlägige Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, insbesondere Praxiserfahrungen in der fachlichen Betreuung und Unterstützung von Kindern in Trennungssituationen, notwendig.

5.5 Psychotherapeutische Selbsterfahrung

Nachweisliche psychotherapeutische Selbsterfahrung bei Personen (gemäß PsychotherapeutInnen Liste des BMFG) im Ausmaß von mindestens 120 Stunden, die in keinem geringeren Zeitraum als von zwei Jahren absolviert werden müssen.

5.6 Supervision

Nachweisbare engmaschige Einzel- und/oder Gruppensupervision zu Erziehungsberatung im Kontext von Trennung und Scheidung (90 Stunden), wobei der Anteil an Gruppensupervision 50 % nicht übersteigen darf.

5.7 Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Belastbarkeit

Die Familien-, Eltern- oder Erziehungsberatung nach § 107 Abs. 3 Z 1 AußStrG erfordert ein hohes Maß an Kommunikations- und Konfliktfähigkeit. Hinzu kommt, dass die Ansprüche der Klient/ innen bezüglich Gerechtigkeit und Wiedergutmachung häufig nicht erfüllt werden können. Dieses Spannungsverhältnis erzeugt Belastungen, die reflektiert und getragen werden müssen.

5.8 „Pionierklausel“
Ausnahmsweise kann von den Erfordernissen hinsichtlich des Grundberufs (Punkt 5.1) bzw. der Zusatzqualifikationen (Punkt 5.2) abgesehen werden, wenn von einem/r Bewerber/in zur Anerkennung als Berater/in nach § 107 Abs. 3 Z. 1 AußStrG
• außerordentliche Leistungen in der Grundlagenarbeit bzw. Entwicklung dieses Beratungsformats auf Basis profunder Aus- und Weiterbildungen in Verbindung mit langjähriger einschlägiger praktischer Arbeit mit Kindern, Eltern und Familien im Kontext von (hochkonflikthafter) Trennung und Scheidung sowie
• umfassende Berufserfahrungen in einschlägiger Arbeit in der Begleitung und Beratung von Familien, die von Trennung und Scheidung betroffen sind, in einem Zeitraum von mindestens zehn Jahren
nachgewiesen werden [...]"

Quelle: www.kinderrechte.gv.at/wp-cont... / vom 14.04.2017



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